Für die Gemeinde geschrieben — Band 2

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Kapitel 6

Christliche Frauen täten gut daran, ihre Kleidung nicht nur nach modischen Gesichtspunkten auszuwählen. Fehlverhalten auf diesem Gebiet geht viel häufiger zu Lasten der Gesundheit, als man sich das gemeinhin vorstellt. Ich denke zum Beispiel an die zur Zeit viel getragenen Korsetts, die den Oberkörper und die Taille so einschnüren, daß eine normale Blutzirkulation kaum noch möglich ist. Wer so etwas trägt, riskiert Schäden an inneren Organen wie Herz, Lunge und Leber und belastet seinen Kreislauf. Dabei hängen Gesundheit und Wohlbefinden gerade von der Leistungsfähigkeit dieser Organe ab. Tausende von Frauen haben ihre Gesundheit untergraben, weil sie sich in bezug auf ihre Kleidung nicht nach den natürlichen Bedürfnissen des Körpers gerichtet haben. Meist liegt das daran, daß sie mit ihrem Aussehen oder ihrer Figur unzufrieden sind und das mit aller Gewalt durch entsprechende Kleidung korrigieren möchten. FG2 454.1

Viele Frauen belasten ihr Becken und die Lendenwirbel über Gebühr, weil sie ständig schwere Röcke anziehen. Das Gewicht der Kleidung sollte möglichst von den Schultern getragen werden; das würde die Hüftregion entlasten. Gott möchte, daß es unter Gläubigen eine größere Übereinstimmung im Blick auf gesunde und zweckmäßige Kleidung gibt. Ich halte die Art Kleidung, wie sie früher bei der “Gesellschaft der Freunde” (Quäker) üblich war, für recht akzeptabel. Allerdings ist man heute selbst in diesen Kreisen weit entfernt von der ursprünglichen Einfachheit und Zweckmäßigkeit. Nur die Farbgebung hat man noch in etwa beibehalten. FG2 454.2

Bei den Israeliten war es nach dem Auszug aus Ägypten üblich, daß sie ihre Kleidung an den Rändern blau absetzten. Das sollte sie schon rein äußerlich von den heidnischen Völkern unterscheiden und war gleichzeitig ein Zeichen der Zugehörigkeit zum Volk Gottes. Die Gemeinde Jesu kennt keine verbindliche Kleiderordnung. Allerdings wird im Neuen Testament häufig ganz allgemein auf das Beispiel Israels hingewiesen. Deshalb müssen wir auch im Blick auf unsere Kleidung fragen: Sollte es Gott gleichgültig sein, was wir anziehen, wenn ihm die Kleidung der Israeliten so wichtig war, daß er diesbezüglich ganz konkrete Anweisungen gab? Erwartet der Herr vielleicht, daß sich unsere Kleidung positiv von vielem unterscheidet, was heute getragen wird? Auf jeden Fall sollen wir auch in dieser Hinsicht Gott ehren, anstatt uns und unsere Modewünsche in den Mittelpunkt zu rücken. FG2 454.3

Hütet euch jedoch vor extremen Verhaltensweisen. Es gibt unter uns Leute, die sich um ihr Äußeres überhaupt nicht kümmern, weil sie ständig argwöhnen, sie könnten vom Stolz übermannt werden. Laßt es mich einmal etwas hart ausdrücken: Manche halten es für eine christliche Tugend, ungepflegt und schmutzig zu sein. Sie machen den Fehler, daß sie guten Geschmack und Schönheitssinn mit Eitelkeit und Stolz verwechseln. Wären sie damals bei der Gesetzgebung am Sinai dabei gewesen, hätte man sie wegen ihrer ungepflegten Erscheinung und ihrer schmutzigen Kleidung nicht in der Volksversammlung geduldet. FG2 455.1

Ich glaube, daß unordentliche Christen mit schlechten Gewohnheiten überhaupt nicht begriffen haben, was Nachfolge Jesu bedeutet und worum es beim Gehorsam geht. Ganz zu schweigen davon, daß sie ein abschreckendes Beispiel für Nichtchristen sind. Es wäre besser, wenn solche Leute nicht in unsere Versammlungen kämen. FG2 455.2

Wenn unsere Gemeindeglieder sich am Sabbat zum Gottesdienst versammeln, sollten sie sauber und geschmackvoll gekleidet sein. Es mag vorkommen, daß es Geschwister unter uns gibt, die sich gute Sabbatkleidung nicht leisten können. Wo das der Fall ist, sollten andere ihnen helfen. Wir haben genügend Gläubige in unseren Reihen, die dazu in der Lage wären, wenn sie weniger Geld in den eigenen “Staat” stecken würden. FG2 455.3

Laßt mich noch einmal auf diejenigen unter uns zurückkommen, die meinen, sie müßten sich besonders ärmlich oder altmodisch kleiden, um sich von der Welt abzuheben. Ich kenne Schwestern, die zum Gottesdienst mit demselben zerschlissenen Sonnenhut und denselben Kleidern kommen, die sie in der Woche bei der Arbeit tragen. Und manche Männer verhalten sich nicht anders. Sie erscheinen in der Gemeinde in fleckigen und zerrissenen Anzügen. Wären sie bei angesehenen Freunden eingeladen, würden sie sich nie so zeigen, um die Gastgeber nicht zu beleidigen. Warum, in aller Welt, muten sie dann Gott und den Engeln ihren nachlässigen Aufzug zu? FG2 455.4

Zu ihrer Rechtfertigung behaupten diese Leute, daß sie aller Eitelkeit abgesagt hätten. Ich kann nicht sehen, was fadenscheinige Hosen und verschossene Kleider mit Demut zu tun haben sollen. Guten Geschmack und Ordnungssinn anderer verketzern solche Frommen als Eitelkeit, und sie regen sich über den angeblichen Stolz ihrer Mitgeschwister auf. Merkwürdig ist allerdings, daß sie nicht nur in ihrer Kleidung ungepflegt sind, sondern auch in ihren Gesprächen und ihrem Verhalten. FG2 456.1

Jesus hat seine Nachfolger als Salz der Erde und als Licht der Welt bezeichnet. Ohne ihren guten Einfluß würde die Welt noch schneller entarten, als das ohnehin der Fall ist. Allerdings bezweifle ich, daß Gläubige, die ihre Kleidung vernachlässigen, ungepflegt herumlaufen und sich in geschäftlichen Dingen unkorrekt verhalten, wirklich “Licht” oder “Salz” sein können. Meist verrät ihr Aufzug mehr über ihren Charakter, als ihnen lieb sein kann. Können wir uns vorstellen, daß Christus von Menschen, die sich unhöflich und grob verhalten oder bei jeder Gelegenheit fluchen, sagen würde: Seht sie euch an, das ist mein “Licht” und mein “Salz” auf Erden? Völlig ausgeschlossen! Wahre Christen sind freundlich, höflich und von gewinnendem Äußeren. Ihre Gespräche plätschern nicht nur an der Oberfläche, sondern haben Tiefgang. Man kann sich auf ihr Wort verlassen. Im Umgang mit ihren Glaubensgeschwistern und mit Außenstehenden bemühen sie sich um Rechtschaffenheit. Sie kleiden sich geschmackvoll, aber nicht aufwendig — vor allem am Sabbat. Gott ist ein Gott der Ordnung, dem Nachlässigkeit und Unordnung mißfallen. FG2 456.2

Christen sollten nicht meinen, sie müßten sich in ihrer Kleidung und ihrem Äußeren auf Biegen und Brechen von den anderen unterscheiden. Der Herr verlangt nicht, daß wir uns selbst zu Sonderlingen machen. Wenn es allerdings um die Gesundheit geht, sollten wir den Mut aufbringen, uns nicht von der gängigen Mode abhängig zu machen. Wir müssen uns unter allen Umständen die innere Unabhängigkeit erhalten, sonst passen wir uns bald in jeder Beziehung der Mehrheit an. Wenn jedoch das, was modern ist, den gesundheitlichen Anforderungen und unseren christlichen Maßstäben nicht entgegensteht, sollten wir es getrost tragen. Christen müssen nicht aus Prinzip gegen die Mode sein. Vor allem sollten sie sich vor Extremen jeder Art hüten. FG2 456.3

Frauen müssen sehr darauf achten, daß sie Kleidung tragen, die ihren Körper wirklich warm hält, so wie das in der Regel bei den Männern der Fall ist. Aber nicht alles, was auf den ersten Blick wie warme Kleidung aussieht, ist es auch wirklich. Ich denke da zum Beispiel an die langen Kleider, die heute Mode sind. Es ist überspannt und unzweckmäßig, Kleider oder Röcke zu tragen, deren Saum im Straßenstaub schleift. Bei Regen werden sie unten herum besonders schnell naß, lassen die Gelenke feucht werden und sorgen auf die Dauer für Schwellungen, rheumatische Erkrankungen und Beschwerden aller Art. Solche Kleidungsstücke sind schwerer als zuträglich und behindern obendrein das Gehen. Kleider sollten oberhalb der Schuhe enden. Wegen der Bewegungsfreiheit im Haus und bei der Arbeit könnten sie gern noch kürzer sein. Wie lang oder kurz ein Rock auch sein mag, er sollte den Körper warmhalten. Das würde viele der Beschwerden von vornherein vermeiden, über die Frauen heute so häufig klagen. FG2 457.1

An dieser Stelle noch einige Worte zu einer anderen Unsitte, die von sogenannten Modereformern propagiert wird. Sie möchten die Leute glauben machen, daß die modebewußte Frau heutzutage am besten Männerkleidung trägt. Ich halte das für einen Auswuchs, der die allgemeine Verwirrung nur noch vergrößert. Wer seinen Kleidungsstil dem der Männer angleicht, verkehrt offensichtlich Gottes Ordnung, der gesagt hat: “Eine Frau soll nicht Männersachen tragen, und ein Mann soll nicht Frauenkleider anziehen; denn wer das tut, der ist dem Herrn, deinem Gott, ein Greuel.” 5.Mose 22,5. Offenbar möchte Gott, daß es einen erkennbaren Unterschied zwischen Frauen- und Männerkleidung gibt, sonst hätte er diese Anweisung nicht gegeben. FG2 457.2

Wäre der Apostel Paulus in unserer Mitte, hätte er sicher auch einiges zum augenblicklichen Stil unserer Kleidung zu sagen. Damals schrieb er: “Desgleichen, daß die Frauen in schicklicher Kleidung sich schmücken mit Anstand und Zucht, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarem Gewand.” 1.Timotheus 2,9. Viele christliche Frauen von heute halten von diesen Aussagen des Apostels nichts und behängen sich mit Gold, Perlen und anderem teuren Schmuck. FG2 458.1

Christen sollen Licht der Welt und Salz der Erde sein, das heißt: sie sollen ihren Einfluß zum Guten einsetzen. Das ist nur möglich, wenn sie nicht von einem Extrem ins andere fallen, sondern Gediegenheit und Verläßlichkeit ausstrahlen. Es wäre irrig, wollte man aus dem weiter oben Gesagten folgenden Schluß ziehen: Wenn es falsch ist, lange Kleider zu tragen, dann muß es also richtig sein, die Röcke möglichst kurz zu halten. Wir können die Menschen nicht dadurch von der Wahrheit überzeugen, daß wir immer gerade das Gegenteil von dem tun, was die anderen machen. Darum geht es ja auch nicht. Die Frage muß lauten: Ist die Kleidung gesund und fühlt man sich in ihr wohl? Um das zu erreichen, gibt es viele Möglichkeiten jenseits jeden Extrems. FG2 458.2

Viele von euch werden jetzt aufbegehren und sagen: “Warum sollen wir uns so anziehen? Ist das nicht altmodisch?” Ich denke, daß wir nicht fragen sollten: “Ist etwas altmodisch oder modern?”, sondern: “Ist es gesund oder nicht?” In mancher Hinsicht wünschte ich mir wirklich, daß unsere Glaubensschwestern etwas “altmodischer” wären. Es wäre auch gut, wenn sie etwas von der inneren und äußeren Stärke der Frauen hätten, die Gottes Werk in früherer Zeit getragen haben. Wir sollten wahrhaftig nicht jede Modetorheit mitmachen. Ihr könnt mir glauben, daß ich weiß, wovon ich rede, wenn ich von den Risiken ungesunder Kleidung spreche. How to Live 57-64. FG2 458.3