Für die Gemeinde geschrieben — Band 2

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Kapitel 2

Viele Leute haben im Laufe der Zeit schädliche Eßgewohnheiten angenommen. Sie essen gern fette und stark gewürzte Speisen, sind an Fleischgerichte mit schweren Soßen gewöhnt und kennen kaum noch andere Getränke als Bohnenkaffee und Schwarzen Tee. Daß solche Ernährung den Organismus belastet, klares Denken erschwert und mancherlei Begierden weckt, bedenken sie dabei nicht. Wichtig ist ihnen nur, daß sie essen und trinken können, wonach es sie verlangt. Sie rauchen, trinken Bier oder “härtere Sachen” — einfach weil sie Appetit darauf haben. Daß der Verstand benebelt wird, Ehre und Würde beschmutzt werden und die Gesundheit der Genußsucht geopfert wird, scheint ihnen nicht bewußt zu sein. Natürlich vollzieht sich dies nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt, aber unaufhaltsam. Und wenn man den Ursachen nachspürt, beginnt das alles meist mit der Vorliebe für ungesunde Speisen und mit unvernünftigen Eßgewohnheiten. FG2 429.1

Viele gehen übereilt eine Ehe ein, ohne die notwendigen Voraussetzungen dafür zu besitzen. Sie haben keine Ahnung davon, welche Verantwortung eine Ehe den Partnern auferlegt; oft wissen sie nicht einmal, wie sie eine eigene Familie finanziell unterhalten sollen. Oft kommt noch hinzu, daß gerade solche Ehepaare, die den Anforderungen gar nicht gewachsen sind, mehr Kinder in die Welt setzen, als sie versorgen können. So werden bedenkenlos Nachkommen gezeugt, selbst auf die Gefahr hin, daß sie vernachlässigt werden müssen. Leidtragende sind in jedem Fall die Kinder, weil sie in armseligen Verhältnissen aufwachsen. Meist fehlt es an der nötigen Nahrung und Kleidung, von der nötigen Pflege und Erziehung gar nicht erst zu reden. FG2 429.2

Eltern sollten nicht mehr Kinder haben, als sie versorgen und erziehen können. Sie sollten sich fragen, ob sie auch in der Lage sind, ihre Kinder so zu erziehen, daß diese einmal brauchbare Glieder der Gesellschaft werden. FG2 429.3

Als Gott die Ehe als Lebensform einführte, sollte sie den Menschen Glück und Segen bringen. Wenn man heute sieht, wie sich Ehe in vielen Fällen darbietet, könnte man denken, sie sei eher ein Fluch. Wenn junge Leute meinen, Verliebtheit sei bereits Grund genug, eine Ehegemeinschaft einzugehen, täuschen sie sich. Das Zusammenleben von Mann und Frau bringt Verantwortung mit sich, der man nicht bloß mit dem Argument “Wir lieben uns ja” gerecht werden kann. Man muß sich vorher fragen: Sind wir den Anforderungen, die Ehe und Elternschaft an uns stellen werden, überhaupt gewachsen? Sind wir fähig, Kindern ein wirkliches Zuhause zu bieten und sie zu brauchbaren Menschen zu erziehen? Was aus einem Volk oder einer Gesellschaft wird, entscheidet sich in den Familien. Deshalb kann niemand sagen: Was in meinem Haus geschieht, geht keinen etwas an. Niemand hat das Recht, einfach Kinder in die Welt zu setzen, die dann in unzumutbaren Verhältnissen heranwachsen und sich darüber hinaus noch mit körperlichen, seelischen und geistigen Defekten herumschlagen müssen, die ihre verantwortungslosen Eltern ihnen vererbt haben. Manche Frauen wären wohl kaum eine Ehe mit einem zuchtlosen, trunksüchtigen oder nikotinabhängigen Partner eingegangen, wenn sie bedacht hätten, welch katastrophalen Folgen das für die nachfolgenden Generationen haben würde. FG2 430.1

Auch heute kann man nur raten: Laßt die Finger von Männern, die sich nicht beherrschen können und üblen Gewohnheiten frönen. Seid euch zu schade für einen Partner, dessen Lebenssinn im Essen, im Trinken und im Ausleben seiner Begierden besteht. Solltet ihr keinen besseren finden, dann bleibt lieber allein. Macht euch nicht mitschuldig an dem Leid und Elend von Nachkommen, die aus solch unseligen Verbindungen hervorgehen. FG2 430.2

Nicht selten kommt es auch vor, daß Frauen über ihre Kräfte gehen müssen, weil sie sich an kranke Männer gebunden haben. Während die umsorgten Männer sich wohlfühlen, verzehren sich ihre Frauen und haben weder Kraft noch Zeit, sich um etwas anderes als die Pflege zu kümmern. Gehen aus solchen Verbindungen Kinder hervor, häufen sich die Schwierigkeiten. FG2 430.3

Ein anderes Problem sind Partnerschaften mit sehr großem Altersunterschied zwischen den Eheleuten. Oft heiraten ältere Männer junge Frauen. Für sie mag das anregend sein, aber das geht fast immer auf Kosten der Frau, die am Ende Opfer bringen muß, die eigentlich unzumutbar sind. Noch schlimmer ist es, wenn junge Männer wesentlich ältere Frauen heiraten, weil sich bei der Nachkommenschaft körperliche Behinderungen, geistige Defekte und Persönlichkeitsstörungen häufen können. FG2 431.1

Oft sind in solchen Fällen die Väter unfähig, ihre Kinder angemessen zu erziehen. Weil sie einmal zu nachgiebig und dann wieder überstreng sind, läuft in der Entwicklung der Kinder kaum etwas so, wie es sein müßte. Schließlich werden sie zu einer drückenden Last für die Gesellschaft ... FG2 431.2

Kinder sollten so gesund wie möglich ernährt werden. Speisen, die dem Organismus schaden und den Verdauungstrakt überlasten, haben nichts auf dem Tisch zu suchen. Mütter müssen bedenken, daß Kinder nicht unmittelbar nach großen körperlichen Anstrengungen essen sollten. Die Mahlzeiten sollten regelmäßig und zu bestimmten Zeiten eingenommen werden. Richtige Ernährung hat auch nichts mit dem Grundsatz zu tun: “Viel hilft viel”. FG2 431.3

Im Übermaß genossen, ist selbst die gesündeste Nahrung ungesund. Manchmal erlebt man es, daß Leute sich mehr Gedanken über die Fütterung ihres Viehs machen als über die Ernährung ihrer Kinder, die doch Geschöpfe nach dem Bilde Gottes sind. Dabei muß die Zubereitung gesunder Nahrung gar nicht aufwendig sein; im Gegenteil, oft braucht man nur die Hälfte der Zeit, die man in das Vorbereiten ungesunder Mahlzeiten stecken muß. FG2 431.4

Ein schwieriges Kapitel ist auch die Zeit der Schwangerschaft. Ich sehe oft, wie Frauen während der Schwangerschaft so hart arbeiten müssen, daß sie fast zusammenbrechen. Niemand nimmt auf ihren Zustand Rücksicht, obwohl sie gerade jetzt der Schonung bedürften. Weil sie sich körperlich und seelisch völlig verausgaben müssen, empfängt auch das Ungeborene nicht die Nahrung, die es eigentlich bräuchte. Dadurch werden viele Kinder schon für ihr ganzes Leben geschädigt, bevor sie überhaupt geboren sind. FG2 431.5

In dieser Zeit ist die Schwangere besonders auf die Liebe und Fürsorge ihres Mannes angewiesen. Meint ihr Männer etwa, es täte eurer Frau gut, wenn ihr verärgert nach Hause kommt, sie mit geschäftlichen Problemen belastet, ihr gleichgültig begegnet oder sie anfahrt, wenn etwas nicht so läuft, wie ihr es euch vorstellt? Vergeßt nicht, daß sich solches Verhalten negativ auf die Schwangere auswirkt und auch dem Kind schadet ... FG2 432.1

Wenn eine Frau Mutterfreuden entgegensieht, sollte sie sich um innere Ausgeglichenheit und positive Gefühle bemühen. Ein heiteres Gemüt beeinflußt nicht nur die Seele zum Guten, sondern auch den Körper. Davon profitiert die ganze Familie nicht zuletzt das noch ungeborene Kind ... FG2 432.2

Wenn Mütter, die ihre Kinder stillen, nicht die erforderliche Schonung erfahren oder sich falsch ernähren, hat das über die Muttermilch Auswirkungen auf die Säuglinge. Auch seelische Belastungen der Mutter beeinflussen das Wohlbefinden und die Gesundheit des Kindes. Ist die Mutter unglücklich, ständig gereizt oder unbeherrscht, kann es beim Kind zu Krämpfen, Verdauungsstörungen und anderen krankhaften Erscheinungen kommen. Die körperliche und seelische Entwicklung des Neugeborenen wird entscheidend vom Wesen und Verhalten der Mutter mitbestimmt. FG2 432.3

Im übrigen werden Säuglinge oft falsch behandelt. Wenn das Baby schreit, wird es gefüttert, obwohl vielfach gerade eine Überbelastung des Magens der Grund dafür ist, daß es sein Unbehagen herausschreit. Es ist verhängnisvoll, wenn Kinder durch die ihnen anerzogenen Ernährungsgewohnheiten den Eindruck gewinnen, daß sie leben, um zu essen. Wenn Frauen für ihre Familie dreimal am Tag aufwendige Mahlzeiten zubereiten müssen, haben sie kaum Zeit, sich um die Probleme ihrer Kinder zu kümmern. Sie sind dann schnell dabei, den Kleinen etwas zu Essen oder Süßigkeiten in die Hand zu drücken, um sie loszuwerden. Manchmal werden Kinder auch einfach sich selbst überlassen, weil die Mutter ihre Ruhe haben möchte. Dadurch beraubt sie sich der Möglichkeit, zur rechten Zeit schlichtend oder korrigierend einzugreifen. Kinder, die sich selbst überlassen sind, gewöhnen sich ans Herumtreiben und geraten nur zu oft in schlechte Gesellschaft ... Kinder lieben Geselligkeit; sie brauchen den mitmenschlichen Kontakt, um glücklich sein zu können. Darauf sollten Mütter sich einstellen. Ein aufmunterndes Wort, ein freundlicher Blick, ein Lob können ein Kind für einen ganzen Tag glücklich machen. Wirkliche Erziehung ist nur möglich, wenn menschliche Nähe zwischen Eltern und Kindern gewahrt bleibt. Wenn Kinder einmal brauchbare Mitglieder der Gesellschaft sein sollen, müssen sie frühzeitig Selbstverleugnung und Selbstbeherrschung lernen. Sie müssen einfach begreifen, daß Leben nicht heißt, ständig nur seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. FG2 432.4

Es ist verhängnisvoll, wenn Mütter ihre Kinder vor der Zeit zur Schule schicken, um sie für eine gewisse Zeit am Tag los zu sein. Die Klassenzimmer sind nicht nach gesundheitlichen, sondern nach finanziellen Gesichtspunkten eingerichtet. Meist ist die Belüftung schlecht, die Bänke entsprechen nicht den körperlichen Anforderungen, und oft sind die Klassenräume Brutstätten für alle möglichen Krankheiten ... Eine zu frühe Einschulung wirkt sich nicht nur negativ auf die geistige und körperliche Gesundheit der Kinder aus, sondern schädigt auch die moralische und charakterliche Entwicklung ... FG2 433.1

Besonders in den ersten sechs bis sieben Jahren brauchen Kinder die Nähe der Eltern, um ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten zu entwickeln. Das ist die Periode, in der sie viele Fragen stellen und in der Eltern geduldig Rede und Antwort stehen müssen. Was den Kindern in dieser Zeit an Belehrung und Charakterbildung vermittelt wird, ist von weitreichender Bedeutung für die Heranwachsenden ... Letztlich geht es in der Erziehung ja nicht nur darum, daß die Kinder später einmal ihren Platz in der Gesellschaft ausfüllen, sondern daß sie vorbereitet werden für Gottes neue Welt ... FG2 433.2

Mir scheint, daß manche Mütter für die Einrichtung ihrer Wohnung und die Zubereitung der Mahlzeiten mehr Sorgfalt aufwenden, als für die Gesunderhaltung und Erziehung ihrer Kinder. Eltern, speziell Mütter, sollten so oft wie möglich mit ihren Kindern zusammensein und sie so zeitig wie möglich an gute Lebensgrundsätze gewöhnen. Kinder, die ständig überfüttert oder ungesund ernährt werden, lernen niemals Selbstbeherrschung und Verzicht. Wenn sie heranwachsen, sind sie kaum noch zu bändigen, halten nicht viel von Moral, weil sie ihre Unmäßigkeit auf alle Lebensbereiche ausdehnen, und sind nicht selten schon als Jugendliche gesundheitlich geschädigt. Muß man sich da noch wundern, daß bei vielen jungen Leuten die Bereitschaft zum Gehorsam und zum Respektieren göttlicher Lebensordnungen kaum noch vorhanden ist? Wie wird Gott die “Ernte” bewerten, die aus dem “schlechten Samen” heranwächst, den manche Eltern aus Unverstand, Gleichgültigkeit oder Eigennutz gesät haben? FG2 433.3

Die Männer sollten ihre Frauen und Kinder nicht um des Geldverdienens und der Jagd nach Wohlstand willen vernachlässigen. Überlegt bitte, ob es sich wirklich auszahlt, bis an die Grenzen der Kraft zu gehen, nur um einen aufwendigen Lebensstil führen und die Gelüste des Gaumens befriedigen zu können? Das Streben nach Besitz und Wohlstand ist nicht von vornherein Sünde, aber es kann dazu werden, wenn der Mensch darüber Gott und den Mitmenschen vergißt. Wer sich allerdings aus solchen Gründen überfordert, versündigt sich gleich in doppelter Hinsicht: Er verstößt gegen Gottes Gesundheitsordnungen und kann so gut wie nichts mehr für den Herrn tun. Kein Besitz kann so wertvoll sein, daß er mit dem Glück und der Gesundheit von Frau und Kindern erkauft werden dürfte. FG2 434.1

Im Zusammenleben der Eheleute ist es geradezu eine Pflicht, aufeinander Rücksicht zu nehmen und die Gefühle des anderen zu achten. Jeder sollte herauszufinden versuchen, was den anderen erfreut und ihn glücklich macht. Oft genügt schon ein freundliches Wort, eine liebevolle Geste, eine kleine Hilfeleistung, um dem anderen zu zeigen, daß er geliebt wird. Besonders die Männer sollten sich immer wieder daran erinnern lassen, daß die beste Medizin für ihre Frauen “Freundlichkeit” und “Liebe” heißt. Und wer geliebt wird, strahlt auch Liebe zurück ... How to Live 25-48. FG2 434.2