Für die Gemeinde geschrieben — Band 2

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Manches sieht nicht aus wie ein Wunder

Manche Wunder erkennt man nicht auf den ersten Blick, weil es so aussieht, als ginge alles ganz natürlich zu. Unser Eintreten für Kranke sollte sich nicht nur auf die Fürbitte beschränken. Wir können ihnen auch empfehlen, natürliche Heilmittel gegen ihre Krankheit einzusetzen. Wasseranwendungen sind zum Beispiel eine hervorragende Behandlungsmöglichkeit. Gott hat uns den Verstand auch deshalb gegeben, daß wir die Heilkräfte der Natur erkennen und zweckentsprechend einsetzen. Was würde es dem Hungernden beispielsweise nützen, wenn wir zwar für ihn beten, aber keine Hand rühren würden, um seinen Hunger zu stillen? Wenn wir notleidenden Menschen helfen wollen, dann sollten wir alle Möglichkeiten nutzen, die sich uns bieten. Wie oft hat sich gezeigt, daß ganz einfache Mittel erstaunliche Wirkung hatten, wenn man sie im Sinne Gottes benutzte. Es könnte sogar sein, daß wir um ein Wunder bitten und das Wunder darin besteht, daß Gott uns die Augen für ein entsprechendes Heilmittel öffnet. Wir bitten vielleicht darum, daß der Herr uns vor einer Seuche oder ansteckenden Krankheit bewahren möge, obwohl es eigentlich nur nötig wäre, längst bekannte Lebensregeln und Gesundheitsordnungen zu beachten. Manchmal wäre es sogar richtiger, erst das uns Mögliche zu tun und sich dann vertrauensvoll mit der Bitte um Genesung an Gott zu wenden. Wir dürfen Gott jederzeit um Hilfe bitten, aber wir sollten nicht erwarten, daß er auch noch das tut, was uns zukommt. Gottes Wort fordert uns auf: “Schaffet, daß ihr selig werdet mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.” Philipper 2,12.13. Wir können die Ordnungen der Natur nicht mißachten, ohne uns damit gleichzeitig gegen den Willen Gottes zu vergehen. Es wäre falsch, von Gott Heilungswunder zu erwarten, gleichzeitig aber an den Heilkräften vorbeizugehen, die er in die Natur hineingelegt hat. Laßt mich meine Überzeugung in einem Satz zusammenfassen: Deshalb bete, glaube und tue, was du kannst. Brief 66, 1901. FG2 355.2